Herz auf der Zunge
Vom Einwandererkind aus einfachen Verhältnissen zur bekannten TV-Moderatorin: Die Wege von Panagiota Petridou waren nicht immer geradlinig, aber dennoch zielstrebig.
Panagiota Petridou lernte als Tochter griechischer Einwanderer in Deutschland früh, sich Gehör zu verschaffen. Ihre Eltern führten eine Gaststätte, die an allen Tagen der Woche geöffnet war. „Da blieb keine Zeit, dass jemand mit mir gepuzzelt, mir eine Geschichte vorgelesen oder mit mir Ausflüge gemacht hätte”, erzählt Petridou über ihre Kindheit. Also wurde der Platz hinter der Theke zur ersten Bühne: „Wenn du gesehen werden willst, musst du etwas bieten”, erinnert sie sich. Sie wurde lauter, witziger, schlagfertiger – und entwickelte ein Gespür für das Gegenüber. „Ich liebe es, zu performen. Ich mag es, Menschen zu unterhalten. Das hat mir als Kind ein gutes Gefühl gegeben und hält bis heute noch an.” Viele Linien ihres Lebens führen genau dorthin zurück, wo alles mit dem Wunsch, wahrgenommen zu werden, begann. Was ihr oft fehlte, war gemeinsam verbrachte Zeit und Nähe – und gleichzeitig entstand genau daraus eine Stärke: Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein.
Eine Szene hat sich besonders in ihrem emotionalen Gedächtnis eingebrannt. Auf einer Hochzeit, hungrig und schüchtern, zögerte sie als kleines Mädchen, sich selbst Essen zu holen. Ihre Mutter übernahm es nicht für sie, sondern gab ihr vielmehr mit Nachdruck mit auf den Weg: Trau dich, es alleine zu tun. „Das hat mich geprägt. Wenn du nicht sagst, was du willst, bekommst du niemals, was du brauchst.” Diese Klarheit, gepaart mit einem Herz, das die 46-Jährige auf der Zunge trägt, wurde zu einem Markenzeichen: „Ich bin gut darin, die letzte Praline zu essen”, schmunzelt sie heute.
Neue Wege – Vom Traum, ein Schauspielstudium zu absolvieren, musste sie sich in jungen Jahren auf Rat ihres großen Bruders verabschieden, als ihr Vater verstarb und finanzielle Sicherheit in der Familie Priorität hatte. Statt auf die Bühne konzentrierte sie sich fortan auf die Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau. Statt Applaus hieß es danach: Autos. In die Branche geriet sie eher zufällig, entwickelte aber auch da ein besonderes Talent, den Kundinnen und Kunden zuzuhören, ihre Körpersprache zu lesen und Bedürfnisse zu erkennen. Der Erfolg gab ihr recht: 2007 bis 2009 führte sie in Deutschland das Ranking der besten MINI Verkäufer an.
Der Sprung ins Fernsehen passierte fast zufällig – und fühlte sich doch wie eine Rückkehr an. Plötzlich war sie wieder da: die Bühne, das Publikum, die ungeteilte Aufmerksamkeit. Formate wie „Biete Rostlaube, suche Traumauto” machten sie einem breiten Publikum bekannt, durch die VOX-Sendung führte sie elf Jahre lang. Bis zum Vorjahr hat sie übrigens parallel noch immer Autos verkauft. „Im Autohaus haben mich natürlich einige wiedererkannt und mich auch ein bisschen frech gefragt, ob die Kohle im deutschen Fernsehen nicht ausreicht. ,Doch’, habe ich dann gesagt, ,aber ich bin gierig’”, lacht sie.
Wendepunkt – Der vielleicht größte Wendepunkt in ihrem Leben kam 2022: die Geburt ihres Kindes. „Es gibt ein Leben davor und eines danach”, fasst sie dieses Erleben in besondere Worte. Das Danach war und ist geprägt von einer Intensität, die sie so nicht kannte, gibt sie unumwunden zu. Die unabhängige, impulsive Macherin entdeckte eine ganz neue Seite – eine achtsamere, sanftere, sensiblere Version ihrer selbst: „Es ist, als würde dein Herz plötzlich außerhalb deines Körpers herumlaufen.” Launiger Nachsatz: „Vorher war ich übrigens auch die beste Erzieherin fremder Kinder.”
Was ihr heute als Mutter vor allem anderen wichtig ist: Zeit miteinander zu verbringen, auch mit ihrer eigenen Mama. Präsent sein. Nähe leben. Es sind alles Dinge, die sie als Kind doch immer wieder vermisst hatte. Die Wochenenden werden bewusst abwechslungsreich gestaltet, da stehen viele Ausflüge, gemeinsame Erlebnisse und Reisen auf dem Programm. Die Sommerferien hat sie freilich schon als Kind traditionell in Griechenland verbracht. Abends erzählt sie Gute-Nacht-Geschichten, die meist ausgesprochen lebendig ausfallen – durch Worte, Gesten, Geräusche. So sehr, dass ihr viereinhalbjähriges Kind, das sie übrigens gerne „Mini Cooper” nennt, lieber „Mamas Show” als vorgelesene Bücher hört. Um auszudrücken, welche Freuden und Anstrengungen das Mamasein für sie bringt, bedient sie sich eines Vokabulars aus ihrem Berufsuniversum: „Das beste Auto ist mein Kind. Ich habe zu meinem Chef auch einmal gesagt: Tausend Autos im Jahr zu verkaufen, das entspricht ungefähr dem Einsatz für ein zweijähriges Kind.”
Mutig sein – An den Nachwuchs will sie weitergeben, was sie selbst stark gemacht hat: den Mut, Bedürfnisse auszusprechen. „Ich fördere mein Kind darin, für sich einzustehen”, erzählt sie. Dabei folgt die ehemalige Handballerin, die 22 Jahre lang bis zur 3. Bundesliga gespielt hat, unbeirrt ihren Prinzipien. Ab und an wird noch immer gestillt, aus Überzeugung und wider alle Meinungen von außen, die das kritisch sehen. „Ganz ehrlich: Was andere diesbezüglich sagen, interessiert mich nicht.” Ihr Familienleben will sie bewusst möglichst aus der Öffentlichkeit fernhalten und leben, was sich gut anfühlt.
Denn der Alltag ist ohnehin gut gefüllt, die Zeit dicht getaktet. Derzeit hält sie in ganz Deutschland Vorträge zum Thema Vertrieb, ist auf der Comedy-Bühne mit ihrem Live-Programm „Was letztes Preis?” unterwegs und lädt mit Serdar Karibik jeden Mittwoch bei Podimo zum Podcast „Die Harte & der Zarte”. Zwischen Karriere, Familie und eigenen Ansprüchen bleibt nicht so viel Raum für Pausen. Energie schöpft Panagiota Petridou aus genau den Dingen, die sie immer getragen haben: Bewegung, Begegnungen, dem Leben selbst. „Man kann sich den Stress wirklich von der Seele laufen.” Auch die Partnerschaft muss ihren Platz finden – kein Selbstläufer, wie sie offen zugibt, „aber wir sind ein tolles Dreierteam”. Und umso wichtiger sind gemeinsame Entscheidungen, wie etwa die eineinhalbjährige Elternzeit ihres Mannes, die ihnen als Familie neue Perspektiven eröffnet hat. Wie man Krisen nicht nur übersteht, sondern sie in Positives verwandelt, hat sie in ihrem Buch „Das Scheiße-Gold-Prinzip” nacherzählt. Vom Einwandererkind zum Fernsehstar war es im Nachhinein betrachtet fast ein logischer Weg. Was dabei geholfen hat: Kämpfen, kämpfen, kämpfen – aber charmant. Und heute? „Ich darf jetzt selbst noch einmal Kind sein, mit meinem Kind zusammen. Das ist das größte Geschenk, das ich mir je machen konnte.”
Freut Euch auf unsere Osterhighlights über die Feiertage!
Zum Osterfest dürft Ihr Euch wieder auf ganz tolle Aktivitäten freuen!
Zwischen bunten Eiern und einem kunterbunten Programm darf natürlich auch der Besuch vom Osterhasen nicht fehlen. Auf die Eltern warten ausgewählte Verkostungen und jede Menge Entspannung!