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23.09.2021Elke Jauk-Offner

Leben auf Distanz

Die Pandemie wiegt gerade für unsere Kinder und Jugendlichen schwer. Psychotherapeutin Martina Leibovici­ Mühlberger über Social Distancing und seine weitreichenden Folgen. Denn: Der Mensch ist eigentlich ein radikal soziales Wesen.


F A M I L I F E — Schlafprobleme, Essstörungen, Angstzustände und depressive Verstimmungen bei Kindern und Jugendlichen haben in der vergangenen Zeit deutlich zugenommen. Wir alle erleben seit Ausbruch des Coronavirus eine Ausnahmesituation – was macht das mit uns?


M L M — Der Zustand bedeutet eine enorme Anspannung. Viele haben das Gefühl unter einer Glaskuppel zu leben, die uns Lebensfreude und Energie entzieht. Der salutogenetische Ansatz beschreibt, was den Menschen gesund hält: Er versteht die Welt, die ihn umgibt. Er erlebt sich als selbstwirksam. Er kann gestalten, was ihm sinnvoll erscheint. Gesundheit ist ja mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Legen wir das auf die Corona-Situation um, sehen wir: Alle Prinzipien sind verletzt worden. Wir begreifen vieles nicht, wir können nicht wie sonst gestalten, Sinnhaftigkeit ist für viele verloren gegangen. All das bewirkt einen Anstieg von Stresshormonen, dämpft das Immunsystem, macht anfällig für Befindlichkeitsstörungen. Erst Forschungen in 15 Jahren werden die Folgen vor Augen führen, was das im Organismus anrichtet.


Wie wirkt sich die Situation auf Kinder aus?


M L M — Als jüngste Vertreter unser Spezies reagieren Kinder da besonders. Ich als 60-Jährige habe die Sozialisierung schon lange hinter mir. Mein Tank ist gefüllt mit Erinnerungen, Begegnungen, Umarmungen und Empfindungen. Kinder bekommen jetzt allerdings ständig antisoziale Impulse: Mach das nicht, spiel nicht mit dem, greif das nicht an – für einen Vierjährigen ist das bereits ein Viertel seines Lebens so. Das widerspricht seinen angeborenen Bedürfnissen als Vertreter der Spezies Homo sapiens, die eigentlich radikal sozial ist. Ursprünglich waren wir in der Mitte der Nahrungskette angesiedelt und konnten uns nur durch Gemeinschaft zu deren Spitze hocharbeiten.


Was bedeuten diese Erfahrungen für das weitere Leben des Kindes?


M L M — Ein Kleinkind strebt nach lebendigen Begegnungen und haptischen Erlebnissen. Durch die antisoziale Prägung, jedes Gegenüber könnte dich gefährden, könnte auch das neurobiologische Programm überschrieben werden. Die neue Erwachsenengeneration könnte ein ganz anderes Verhalten, ganz andere Werte und Einschätzungen zeigen – nur der Nützlichkeit und der Rationalität stark verpflichtet.


Wie kann man dem entgegenwirken?


M L M — Bei den Jüngsten war es noch nie so wichtig, dem Kind ungeteilte Aufmerksamkeit zu geben. Da Kinder haptische Erlebnisse nicht in dem Maße ausleben können, ist Körperkontakt ein wesentlicher Aspekt. Bedeutsam ist auch Selbstwirksamkeit: basteln mit kreativen Materialien, entwerfen von Collagen aus Zeitschriften und Häusern aus Karton. Meine Kinder reden noch heute von einem vor 20 Jahren gemeinsam gestalteten Bild. Das Positive an der Krise ist: Die Familie wurde auf sich selbst zurückgeworfen – aber nicht im biedermeierlichen Verständnis mit Feindseligkeit nach außen, sondern in dem Sinne, dass wir uns gut miteinander beschäftigen und uns gegenseitig viel geben können.


Wie belastet sind Teenager?


M L M — Für sie ist es eine große Herausforderung, sie wurden der Beschulung am längsten entzogen. Autonomie, Selbstwert, Identität, selbst verwaltete und selbst verhandelte Begegnungen, die Unabhängigkeit vom Elternhaus – all das hat massive Einbußen erlitten. Für Jugendliche geht es ja darum, sich auszuprobieren, Rang- und Gruppendynamik zu erfahren, mit Macht und Ohnmacht umzugehen. Das muss in der Peergroup trainiert werden, damit sich die Alterskohorte als Erwachsene zu bewegen weiß. Gerade Kooperation und Social Skills stehen da ganz oben, Jugendliche sind dieser Trainingsplattform beraubt.

Sie sind Mitautorin der Studie „Junge Österreicher 2021“ – Zu welchen Erkenntnissen sind Sie da gekommen?


M L M — Ein Drittel der jungen Menschen ist demotiviert und meint, schlechte Zukunftsaussichten zu haben. Schon im Jänner dieses Jahres haben 34 Prozent der Befragten angegeben: „Ich glaube nicht an meine Zukunft.“ Das kann ein Boomerang sein. Mit einem solchen Mindset werden Stolpersteine als Bestätigung gesehen. Jugendliche geben ihre Träume auf und haben das Gefühl, nicht gebraucht zu werden.


Wie können Eltern dem begegnen?


M L M — Zuallererst ist zu sagen: Jeder hat Grenzen, Eltern sollen oftmals die eierlegende Wollmilchsau sein. Im Flugzeug heißt es nicht umsonst: Bei Druckverlust die Sauerstoffmaske zuerst zu sich zu ziehen und erst dann Kindern und Mitreisenden helfen. Das bedeutet: Psychohygiene. Es geht um dasWissen, was man selbst braucht. Um das Schaffen von persönlichen Freiräumen – sei es auch nur die Runde um den Block oder das Telefonat mit Freunden. Natürlich ist es wichtig, Strukturen und Rituale für die Familie zu bewahren. Struktur- und Kulturverlustigkeit bewirkt eine Aufweichung der Widerstandskraft. Wir müssen Kindern und Jugendlichen Mut machen. Der Mensch ist mit zwei wichtigen Kompetenzen ausgestattet: Er ist sozial und kreativ.


Was brauchen die Teenager?


M L M — Viele haben sich bereits resigniert zurückgezogen. Da treten Sozialphobien und Körperbildstörungen auf. Gerade mit Teenagern muss man unbedingt im Dialog bleiben, aber auch Führungsver- antwortung einklagen. Etwa: Wir essen als Familie gemeinsam und wollen uns auch austauschen. Allerdings: Jedem Erwachsenen wurde während des Lockdowns eine Bezugsperson zugestanden, für Teenager hätte das ebenso gelten müssen. Gerade sie brauchen eine Vertrauensperson, einen Buddy.


Mit welchen Gefühlen blicken Sie in die Zukunft?


M L M — Ich denke, wir erleben Corona als Brandbeschleuniger eines Prozesses, der das Potenzial hat, die Zivilisation gegen die Wand zu fahren oder in eine Selbstreflexion zu zwingen, um soziale und kreative Potenziale zu entfalten. Meine Generation der Nachkriegseltern ist sehr materialistisch geprägt: Wichtig war, dass man sich etwas schafft. So bin ich sozialisiert worden. Die Jugend hat sich emanzipiert. Sie braucht nicht unbedingt ein Auto, sondern bloß einen Zugang dazu. Sie schätzt ethisch produzierte Kleidungsstücke mehr und mehr. Da fängt ein Umdenken an. Ich könnte mir vorstellen, dass mit der Erfahrung der Krise und der totalen Beschränkung der Kurs ein paar Grad verändert wird in Richtung mehr Maßhalten und ökologischem Denken. 

ZUR PERSON


Martina Leibovici-Mühlberger studierte Medizin, Soziologie und Humanbiologie, ist Gynäkologin und Psychotherapeutin. Die Mutter von vier Kindern leitet ein Ausbildungs-, Forschungs- und Beratungsunternehmen mit Fokus auf Kind, Jugend und Familie (fitforkids.at). Sie schreibt Bücher, darunter „Der Tyrannen- kindererziehungsplan“ sowie „Startklar – Aufbruch in die Welt nach Covid-19“ und bietet immer wieder kostenlose Webinare für Eltern (https://fitforlife.at).


 

Elke Jauk-Offner
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